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Burghard Zacharias

Auszug aus dem Buch "Vision Kilimanjaro"

1. Auch Ärzte können irren

Auf dem letzten Kilometer beim Abstieg vom Mt. Kenia habe ich mein rechtes Schienbein überanstrengt. Ich telefoniere mit einer befreundeten Ärztin in Deutschland. „Ruhen, Kühlen, Voltaren … sagt sie“. Das mache ich in Kilifi.


Ich habe mir eine Matratze organisiert, liege auf dem Hof des Bandary Fishing Clubs im Schatten unter einem Baum, nur mit einer engen Badehose bekleidet. Eine „Krabbelvieh“, wahrscheinlich eine Wanze aus der Matratze kommend, kriecht von mir unbemerkt in die Hose, fühlt sich offenbar gedrückt und sticht mich seitwärts in den Hodensack. Die Stelle entzündet sich. Das scheuert beim Laufen  ich muss meinen Aufstiegstermin auf den Kilimandscharo verschieben.


Sicherheitshalber gehe ich zum Arzt. Er spritzt Penicillin.


Obwohl an der entzündeten Stelle kein Heilungsprozess erkennbar ist, entscheide ich nach einer Woche, auf Risiko nach Tansania aufzubrechen und den Weg nach oben zu beginnen. Zum Bezahlen der Unterkunft brauche ich Geld. Auf dem Weg zur Bank gehe ich nochmals in die Klinik. Ich treffe auf den gleichen Arzt wie bei meinem vorigen Besuch. Ihm zeige ich ein von mir vor ein paar Tagen gefangenes und in eine Wasserflasche gesperrtes, meinem Übeltäter vergleichbares Insekt und frage: „Wie nun weiter?“.


Im Folgenden zitiere ich der Einfachheit halber weitgehend aus „Vision Kilimanjaro“; wörtlich übernommene Textpassagen sind in eckige Klammern gesetzt.


[„Very dangerous, very dangerous“ meint er wieder und sagt: “Da müssen Sie Antibiotika nehmen“. Er kommt extra mit mir über die Straße zur Apotheke und erklärt dem Apotheker, was benötigt wird. Der Apotheker holt ein großes Glasgefäß, ich schätze mal so an die fünf Liter Inhalt, aus einer Ecke und zählt daraus Tabletten ab, weiß sehen sie aus – mehr ist nicht erkennbar. Also, „morgens und abends je zwei“, sagt er, „und alles ist o.k.“. Zusätzlich erhalte ich nochmals Salbe gegen Allergien, die ich täglich auf die Einstichstelle auftragen soll.


Ich bedanke mich herzlich beim Arzt und beim Apotheker und mache mich auf zur Bank. Ich brauche Geld, um meine Unterkunft zu bezahlen.

Wieder einmal ist kein Telefonkontakt nach Nairobi möglich, so dass die Bank meine Kreditkarte nicht prüfen kann. Ich muss warten. Um die Zeit zu überbrücken, komme ich auf die Idee, nochmals zum Arzt zu gehen und mir aufschreiben zu lassen, gegen was er mich eigentlich behandelt und wie die Tabletten heißen, die er mir verschrieben hat.


Jetzt hat ein anderer Arzt Dienst. Ich nenne ihm mein Anliegen. Er geht aus dem Zimmer, um irgendwo in der Kartei nachzuschauen. Als er wiederkommt, hat er mir auf einem Zettel den Namen der Krankheit, gegen die ich vorsorgend behandelt werde, aufgeschrieben. Zugleich gibt er mir ein Rezept. Damit, so meint er, solle ich in die Apotheke gehen und die heute früh erhaltenen Tabletten gegen die auf dem Rezept stehenden tauschen.


Ich verstehe zunächst nur Bahnhof. „Ja“, sagt er, „die Tabletten, die Sie heute früh erhalten haben, sind gut für oben, Sie brauchen aber welche für unten. Sie brauchen Tetrazyclin. Ich habe das hier aufgeschrieben. Die helfen besser gegen Rickettsia.“


„Gut“, sage ich, „und wem soll ich glauben? Ihnen oder dem Arzt heute früh“. „Ja, da kann ich Ihnen nicht helfen. I am the boss, and he is my assistant“, meint er.]


Wären da nicht zufällig „Affen oder was weiß ich“ auf der Telefonleitung nach Nairobi herumgetanzt, hätte die Geschichte ganz schön böse ausgehen können. O. k., nach manch weiterem Ungemach kann ich mein Ziel, einmal in meinem Leben die Welt vom höchsten Berg Afrikas aus zu betrachten, endlich auf der Marangu Route direkt angehen.